{"id":9373,"date":"2020-03-25T13:56:33","date_gmt":"2020-03-25T12:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/dev.bcsss.org\/2020\/bcsss-online-conference-homo-digitalis-und-die-conditio-humana\/"},"modified":"2021-04-16T00:32:37","modified_gmt":"2021-04-15T22:32:37","slug":"bcsss-online-conference-homo-digitalis-und-die-conditio-humana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bcsss.org\/de\/2020\/bcsss-online-conference-homo-digitalis-und-die-conditio-humana\/","title":{"rendered":"BCSSS Online Konferenz &#8218;Homo Digitalis und die Conditio Humana&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Homo Digitalis und die CONDITIO HUMANA:<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Mensch und Menschenbild im Zeitalter der Digitalisierung<\/strong><\/p>\n\n<p>BCSSS Online Konferenz 19th March 2020<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"199\" src=\"https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-1024x199.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7687\" srcset=\"https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-1024x199.jpg 1024w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-600x117.jpg 600w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-300x58.jpg 300w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-768x150.jpg 768w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-100x19.jpg 100w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-150x29.jpg 150w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-200x39.jpg 200w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-450x88.jpg 450w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2-900x175.jpg 900w, https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/homo-digitalis-header2.jpg 1412w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n<p>Felix Tretter und Stefan Blachfellner von der BCSSS waren f\u00fcr die Organisation dieser Veranstaltung verantwortlich, die urspr\u00fcnglich als Direkttreffen geplant war. Dieses Format musste aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden und konnte am Donnerstag, 19.3.2020, sozusagen in letzter Minute in das elektronische Format einer Zoom-Konferenz umgewandelt werden.<\/p>\n\n<p>Die elektronischen audiovisuellen Konferenzbeitr\u00e4ge werden derzeit bearbeitet. Vorab soll <a href=\"https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/VideoKOnfHomDigLong1z-.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> ein Protokoll der Ergebnisse pr\u00e4sentiert werden. Beginnend mit der thematischen Einf\u00fchrung in das Tagungsthema durch Felix Tretter und den anschlie\u00dfenden Beitr\u00e4gen zu den Tagungsthemen.<\/p>\n\n<p><strong>Zun\u00e4chst stellten Felix Tretter und Stefan Blachfellner die Entwicklung und das Programm der Konferenz vor:<\/strong><\/p>\n\n<p>Der ber\u00fchmte Wiener Philosoph und Biologe Ludwig von Bertalanffy, einer der Begr\u00fcnder der Allgemeinen Systemtheorie und Namensgeber des Bertalanffy-Centers, dem die BCSSS gewidmet ist, kritisierte in seinem Buch &#8222;Robots, Men and Minds&#8220; (1967,1) die alarmierende Ann\u00e4herung des &#8222;rattomorphen&#8220; Menschenbildes der modernen behavioristischen Psychologie und des Computermodells des Menschen durch die technische Kybernetik: Demgegen\u00fcber ist der Mensch seiner Ansicht nach mehr als eine informationsverarbeitende Maschine, die durch Reiz-Reaktions-Beziehungen bestimmt wird, sondern ein spontanes und kreatives Lebewesen, das komplexere Emotionen und Bed\u00fcrfnisse und eine vielschichtige Pers\u00f6nlichkeit aufweist, die sein Verhalten pr\u00e4gt und nur als eingebettet in seine Umwelt verstanden werden kann. Von besonderer Bedeutung f\u00fcr den Menschen ist die Ebene der Sprache und der Symbole, eine Hypothese, die nun im Zeitalter der Digitalisierung neu bewertet werden muss. Dies hat er auch in seiner organismischen Systempsychologie gezeigt.<\/p>\n\n<ul><li>Die Ergebnisse der BCSSS-Arbeitsgruppe &#8222;Human Digitalisation&#8220;, die seit Oktober 2018 in einer Reihe von interdisziplin\u00e4ren Workshops die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Digitalisierung im Gesundheitswesen auslotet, waren ein weiterer Punkt auf der Konferenzagenda. Im Mittelpunkt der Tagung standen unter anderem die Qualit\u00e4tssicherung digitaler Gesundheitsinformationen und der Wandel des \u00f6ffentlichen und professionellen Gesundheitsbewusstseins sowie<\/li><li>die Vorarbeiten von Felix Tretter zu einem Menschenbild in Form des &#8222;Homo informaticus&#8220;, das in eine mehrj\u00e4hrige interdisziplin\u00e4re Veranstaltungsreihe zum Menschenbild im 21. Jahrhundert an der Universit\u00e4t Wien eingebettet ist.<\/li><li>Die Initiative der Stadt Wien ab Sommer 2019 einen &#8222;Digitalen Humanismus&#8220; zu realisieren, dient als eine Art Orientierung f\u00fcr die weitere Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Dieses Konzept basiert auf dem &#8222;Manifest zum Digitalen Humanismus&#8220; des Dekans der Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik, Hannes Werthner, vom Mai 2019 und auf dem Buch des Philosophen Julian Nida-R\u00fcmelin und der Filmwissenschaftlerin Natalie Weidenfeld, das parallel im Herbst 2018 erschienen ist.<\/li><li>Die Aktivit\u00e4ten der Wiener Gruppe &#8222;Homo digitalis&#8220; aus der Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik der Universit\u00e4t Wien (Peter Reichl), der Informatikabteilung der TU (Christopher Frauenberger) und dem Institut f\u00fcr Philosophie (Michael Funk), arbeiten daran die Vision einer digital-philosophischen Anthropologie umsetzen.<\/li><\/ul>\n\n<p><strong>Felix Tretter erl\u00e4uterte die Gliederung des Konferenzthemas:<\/strong><\/p>\n\n<p>Unter dem Titel &#8222;Homo sapiens, Homo neurobiologicus and Homo digitalis -anthropological perspectives&#8220; gab Tretter einen \u00dcberblick \u00fcber die aktuellen Schwerpunkte der Debatte um einen Homo informaticus oder genauer gesagt einen Homo digitalis und dessen Anspruch auf die G\u00fcltigkeit der klassisch-humanistischen Form von Menschenbildern im Hinblick auf die von Hannah Arendt und vor allem von Helmuth Plessner herausgearbeiteten &#8222;conditions of possibility&#8220; des Menschseins (conditio humana). Die aktuellen Anl\u00e4sse, das Bild vom Menschen als das ultimative Vernunfttier im Sinne von Aristoteles zu korrigieren, sind die neueren Erfolge der K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI), die darin bestehen, dass lernende Algorithmen von Maschinen implementiert wurden, die nicht nur besser Schach oder Go spielen als der Mensch, sondern auch im Skat \u00fcberlegen sind. Auch einige medizinische Diagnosen k\u00f6nnen mit Big Data besser gestellt werden als von \u00c4rzten. Dies f\u00fchrt zu einer Minderwertigkeitserfahrung des Menschen und damit zu einer Ersch\u00fctterung des klassischen humanistischen Menschenbildes im Sinne des Homo deus nach Yuval Noah Harari. Auf der anderen Seite zeigt der allseitige Einsatz von IKT im Alltag aber auch, dass es erhebliche Defizite der IKT gibt, von denen die Menschen immer abh\u00e4ngiger werden, weil herk\u00f6mmliche Praktiken (z.B. Kundenservice) zunehmend automatisiert werden (z.B. Hotline). Des weitern wurde die Dysfunktionalit\u00e4t der &#8222;Terminals&#8220; f\u00fcr manche Benutzer und Situationen, wie z.B. die Benutzeroberfl\u00e4che der Hardware \u00fcber Touchscreens, mit ihrer manchmal deletanten &#8222;verz\u00f6gerten Reaktion&#8220;, bereits von der US Navy f\u00fcr einen Schiffbruch verantwortlich gemacht wurde. Oder die Software, die in der menschlichen Interaktion nach Algorithmen in Form einer mechanistisch-unmenschlichen, aber standardisierten Ablauflogik gestaltet ist, bereitet Schwierigkeiten. Dies spiegelt die Denkweise des betrieblichen &#8222;Qualit\u00e4tsmanagements&#8220; wider, das von seinen Mitarbeitern standardisiertes &#8222;algorithmisiertes Handeln&#8220; fordert und die Grundlage f\u00fcr die Digitalisierung bildet. Ein weiterer Bereich ist Big Data, der von Privatpersonen und zunehmend auch von IKT-Unternehmen als ungewollte Datenspende angesehen wird, da deren eigentliches Interesse darin besteht, m\u00f6glichst viele Daten \u00fcber IKT-Nutzer zu erhalten. Von der Genom-Analyse \u00fcber die Gesichtsgeometrie und Psychometrie durch scheinbar scherzhaft gemeinte Pers\u00f6nlichkeitstests in social media \u00fcber die medizinische \u201eCerebrometrie\u201c und die \u00fcber Social media erm\u00f6glichte Soziometrie der Freundesnetzwerke erfolgt \u00fcber Zusammenf\u00fchrung von Daten eine ganzheitliche Erfassung des Menschen in Form einer multidimensionalen Verhaltensdeskription, die zur Verhaltenspr\u00e4diktion und -beeinflussung genutzt wird, nicht nur im kommerziellen, sondern &#8211; wie Cambridge Analytica Skandal zeigt &#8211; auch im politischen Bereich. Es gesellt sich also zum grundlegenden Unterlegenheitserleben auch ein allt\u00e4gliches \u00dcberforderungserleben So stellt sich bei manchen Menschen ein digitaler Burnout ein. Au\u00dferdem ver\u00e4ndert die permanente Nutzung der IKT die affektiv-kognitive Informationsverarbeitung und damit die Gehirnstruktur, vom sozialen Leben ganz zu schweigen, was manche Experten, vor allem mit Blick auf die kindliche Entwicklung, mit dem Begriff der \u201eDigitalen Demenz\u201c umschreiben. Also ist die IKT zwar in jeder ihrer Teilleistungen vollkommener als der Mensch, aber der Mensch ist, gesamtheitlich und mehrdimensional betrachtet, trotz seiner punktuellen Unvollkommenheit im Sinne des Prometheus Mythos im Vergleich zu den Maschinen vollkommen: Die niedrig dimensionale \u201eVollkommenheit\u201c der unvollkommenen Maschine muss also mit der Komplexit\u00e4t des Menschen, der durch seine Vielfalt \u201evollkommen\u201c, aber im Einzelnen \u201eunvollkommen\u201c ist, verglichen werden. Die Wahrnehmung der Gefa\u0308hrdung des Menschen, die sich angesichts der umfassenden Entwicklungen der Digitalisierung stellt, hat die Deutsche Daten-Ethik-Kommission im Sinne der \u201edigitalen Ethik\u201c grundsa\u0308tzlich betont: Sie hebt die Notwendigkeit der Wahrung der \u201eWu\u0308rde des Menschen\u201c hervor (18): \u201eDie Wu\u0308rde des Menschen, die fu\u0308r den unbedingten Wert jedes menschlichen Lebewesens steht, verbietet etwa die digitale Totalvermessung des Individuums ebenso wie seine Herabwu\u0308rdigung durch Ta\u0308uschung, Manipulation oder Ausgrenzung\u201c.<\/p>\n\n<p>In dieser Hinsicht ist also zu u\u0308berpru\u0308fen, was das essentiell Menschliche ist, und in welchem Verha\u0308ltnis es zu dem Impact der Digitalisierung als soziotechnisches Supersystem in der Alltagswelt steht. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:<\/p>\n\n<p>1. Was ist ein Menschenbild und welche akademische Disziplin hat hierzu die robustesten Erkenntnisse? Kann Philosophie helfen?<\/p>\n\n<p>2. Menschenbilder der Wissenschaften<\/p>\n\n<p>3. Begriffsproblematik: \u201eDer\u201c Mensch oder \u201edie\u201c Menschen ?<\/p>\n\n<p>4. Die besondere fachliche Rolle der Psychologie<\/p>\n\n<p>5. Das Soziale und die soziologische Perspektive<\/p>\n\n<p>6. Konturen des Homo digitalis<\/p>\n\n<p>KLAUS MAINZER (Emeritus of Excellence, TU Munich \/ Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker Center, Universit\u00e4t T\u00fcbingen) konnte wegen der Coroana-Krise nicht teilnehmen und daher seinen Beitrag mit dem Titel: &#8222;K\u00fcnstliche Intelligenz. When do the machines take over?&#8220; nicht vorstellen. Der Vortrag war als Pr\u00e4sentation der Aktualisierung des gleichnamigen Buches geplant. Sie wird so bald wie m\u00f6glich in Wien live nachgeholt.<\/p>\n\n<p>THOMAS SCHMAUS (Alanus Hochschule, Alfter\/Bonn) beleuchtete das Thema &#8222;Der (un-)berechenbare Mensch. Philosophical remarks on digital sustainability&#8220;, wo er einige der Probleme der Vermessung des Menschen thematisierte. Er stellte die Bedeutung der Zeitlichkeit f\u00fcr die Conditio humana in den Mittelpunkt und betonte in einer zeitph\u00e4nomenologischen Schilderung die unterschiedliche Bedeutung der Begriffe &#8222;Futurum&#8220; und &#8222;Adventum&#8220; f\u00fcr die menschliche Erfahrung der Zukunft. Futurum wird in diesem Zusammenhang als eine aus der Vergangenheit und Gegenwart prinzipiell ableitbare und vorhersehbare Zukunft verstanden &#8211; Adventum hingegen bezeichnet die Erfahrung einer weitgehend unbestimmten, ungeplanten und \u00fcberraschend eintretenden Zukunft.<\/p>\n\n<p>ECKHARD FRICK (Hochschule f\u00fcr Philosophie M\u00fcnchen) untersuchte die psychosomatische Anthropologie im Licht der Digitalisierung. Aus der Perspektive der anthropologischen Psychosomatik konzentrierte er sich auf das Ph\u00e4nomen der Scham, deren ph\u00e4nomenologische Voraussetzung die von Plessner beschriebene &#8222;eccentric positionality&#8220; des Menschen ist.<\/p>\n\n<p>GERHARD GR\u00dcNDER (Zentralinstitut f\u00fcr Seelische Gesundheit, Mannheim) hielt ebenfalls einen Vortrag zum Thema Homo neurobiologicus und digitale Psychiatrie. Er konzentrierte sich auf die digitale Ph\u00e4notypisierung in der aktuellen psychiatrischen Forschung, zum Beispiel durch die elektronische Erfassung und Analyse von Tweets \u00fcber Schlafst\u00f6rungen. In der psychiatrischen Forschung und auch in der Praxis werden die Befindlichkeiten von bipolaren Patienten zunehmend mit Smartphones erfasst und zur Auswertung an den Krankenhausserver gesendet. Ziel ist es, den Verlauf der Symptome genauer zu erfassen und kritische Konstellationen zu erkennen, um auch eine Prophylaxe durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p>JULIA NEIDHARDT (Informatik, TU Wien) stellte das von HANNES WERTHNER (Informatik, TU Wien) im April 2019 initiierte &#8222;Manifest zum digitalen Humanismus&#8220; vor. Es liegen bereits 800 Unterst\u00fctzungsunterschriften vor.<\/p>\n\n<p>PETER REICHL (Informatik, Universit\u00e4t Wien) pr\u00e4sentierte das Projekt PANDORA -Philosophische Anthropologie im digitalen Wandel. Er bezog sich zun\u00e4chst auf die Philosophie von G\u00fcnter Anders, der in der Strategie der dialektischen Umkehrung von Begriffen eine M\u00f6glichkeit sah, deren tieferen Wahrheitsgehalt zu erkennen. Verantwortungsvolle Gestaltung der Digitalisierung, zum Beispiel in Form einer Art &#8222;digital ecology&#8220;.<\/p>\n\n<p>CHRISTOPHER FRAUENBERGER (Informatik, Technische Universit\u00e4t Wien) skizzierte kurz grundlegende Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion. Am Beispiel seiner Arbeit als Informatiker mit autistischen Kindern stellte er einige der Arbeitsbereiche vor, die diese Herausforderungen beinhalten. Er kam zu dem Schluss, dass es sich um ein Problem der Richtlinien f\u00fcr die Gestaltung digitaler Technologien in Form eines &#8222;partizipativen Designs&#8220; handelt. Dies sollte den Politikern deutlich gemacht werden, damit sie die Weichen f\u00fcr solche Entwicklungen stellen. Dies w\u00fcrde aber auch eine Kultur der produktiven Debatte erfordern, die eine dialektische Entwicklung erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n<p>MICHAEL FUNK (Technikphilosophie, Universit\u00e4t Wien) hielt einen Vortrag zum Thema &#8222;Authentische Empathie &#8211; die Grenzen humanoider Roboter&#8220;. Er f\u00fchrte zun\u00e4chst die Tradition der Technikphilosophie ein. Er betonte, dass der Begriff der Technologie in einem breiteren Sinne verstanden werden muss, der auch Denkstile einschlie\u00dft. Der R\u00fcckgriff auf Martin Heidegger, Helmuth Plessner, Ludwig Wittgenstein und auch aktuell Bruno Latour bot eine gute Grundlage f\u00fcr die Technikphilosophie der Digitalisierung.<\/p>\n\n<p>Das ausf\u00fchrliche Protokoll der Online-Konferenz finden Sie <a href=\"https:\/\/www.bcsss.org\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/VideoKOnfHomDigLong1z-.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n\n<p><strong>Fazit der Konferenz<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Diskussionen in den Massenmedien und sozialen Medien \u00fcber die Leistungsf\u00e4higkeit digitaler IKT im Bezug auf menschliche F\u00e4higkeiten stellen Unsicherheiten dar, insofern sie nicht auf eine expliziten Hintergrund einer zeitgen\u00f6ssischen Anthropologie bezogen werden k\u00f6nnen. Dementsprechend finden die teilweise sehr oberfl\u00e4chlichen Konzepte des Transhumanismus und Posthumanismus einen guten N\u00e4hrboden. Eine zeitgem\u00e4\u00dfe Anthropologie k\u00f6nnte sich &#8211; wie im Verlauf der Tagung mehrfach gezeigt wurde &#8211; vor allem auf das Konzept von Helmuth Plessner st\u00fctzen, der sowohl die allseitige Affinit\u00e4t zur Technik als &#8222;nat\u00fcrliche K\u00fcnstlichkeit&#8220; als auch die Medialit\u00e4t des Digitalen durch die &#8222;vermittelte Unmittelbarkeit&#8220; identifizierte. Im Hinblick auf die Mensch-Maschine-Vergleiche, die eigentlich die Anthropologie des 21. Jahrhunderts pr\u00e4gen m\u00fcssen, bietet Plessner mit dem Grundbegriff der &#8222;exzentrischen Positionalit\u00e4t&#8220; auch ein markantes Unterscheidungsmerkmal zu IKT-Maschinen in Hard- und Software.<\/p>\n\n<p><strong>Perspektive der Konferenz<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Tagung hat den Eindruck verst\u00e4rkt, dass eine Vertiefung dieses Diskurses &#8211; hier kurz &#8222;Menschenbilddebatte&#8220; genannt &#8211; durch die Beteiligung verschiedener Disziplinen aus den Technik-\/Informatikwissenschaften, der Philosophie, den Geistes-, Verhaltens-, Bio-, Sozial- und Kulturwissenschaften von grundlegender Bedeutung f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis des Menschen im digitalen Zeitalter ist. Entsprechend sollten weitere Konferenzen oder Forschungsprojekte folgen.<\/p>\n\n<p>Die BCSSS freut sich auf die kommenden Schritte und Dialoge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homo Digitalis und die CONDITIO HUMANA: Mensch und Menschenbild im Zeitalter der Digitalisierung BCSSS Online Konferenz 19th March 2020 Felix Tretter und Stefan Blachfellner von der BCSSS waren f\u00fcr die Organisation dieser Veranstaltung verantwortlich, die urspr\u00fcnglich als Direkttreffen geplant war. 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